{"id":2259,"date":"2017-03-15T11:52:56","date_gmt":"2017-03-15T10:52:56","guid":{"rendered":"http:\/\/ecco-arte.at\/rework-0217\/?page_id=2259"},"modified":"2017-03-15T11:52:56","modified_gmt":"2017-03-15T10:52:56","slug":"rezension-ladakh-michael-buddeberg","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.ecco-arte.at\/ru\/rezension-ladakh-michael-buddeberg\/","title":{"rendered":"Rezension: Ladakh &#8211; Michael Buddeberg"},"content":{"rendered":"<div class=\"ctsc-focus ctsc-focus-normal \" style=\" background:#f3f1ea;\r\n\t\t\t\tbackground:-moz-linear-gradient(top, #f3f1ea 0%, #ffffff 100%);\r\n\t\t\t\tbackground:-webkit-linear-gradient(top, #f3f1ea 0%, #ffffff 100%); \r\n\t\t\t\tbackground:linear-gradient(to bottom, #f3f1ea 0%, #ffffff 100%);\r\n\t\t\t\tfilter:progid:DXImageTransform.Microsoft.gradient(startColorstr='#f3f1ea', endColorstr='#ffffff',GradientType=0);\">\n<p>Ladakh &#8211; Vergessene Feste, Botschaften im Fels<\/p>\n<p>Autor\/en: Hans Weihreter<br \/>\nVerlag: Akademische Druck- und Verlagsanstalt<br \/>\nErschienen: Graz 2010<br \/>\nSeiten: 192<br \/>\nAusgabe: Hardcover<br \/>\nPreis: \u20ac 34,90<br \/>\nISBN: 978-3-201-01931-6<br \/>\nKommentar: Michael Buddeberg, November 2010<\/p>\n<p>Besprechung:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">panta rhei &#8211; alles flie\u00dft &#8211; mit dieser philosophischen Grunderkenntnis von Heraklit beginnt Hans Weihreter sein Buch, mit dem er Entdeckungen und Erlebnisse in Ladakh aus den Jahren 1981 und 1982 in Wort und Bild vorstellt. Keine drei\u00dfig Jahre sind seither vergangen, doch in diesem kurzen Zeitraum haben sich in dieser einst so entlegenen und kaum bekannten Bergwelt drastische \u00c4nderungen vollzogen. War Ladakh Anfang der achtziger Jahre Ziel nur weniger neugieriger und abenteuerlustiger Reisender, die die Unbequemlichkeiten und M\u00fchen, dorthin zu gelangen und dort zu reisen, nicht scheuten, ist es heute mit neu gebauten Stra\u00dfen und Flugpl\u00e4tzen und der zugeh\u00f6rigen Infrastruktur zum Ort eines immer mehr anwachsenden Tourismus geworden. Zwei g\u00e4nzlich verschiedene Bereiche sind es, die Hans Weihreter behandelt und beide sind gleicherma\u00dfen bedroht. Bei den traditionellen Festen, Pilgerreisen und Ritualen liegt es nahe, dass sie durch touristische Kommerzialisierung ihre Inhalte \u00e4ndern, verlieren oder ihr ganz zum Opfer fallen, w\u00e4hrend die im Laufe von Hunderten oder gar Tausenden von Jahren in die Felsen von Ladakh geritzten Petroglyphen weniger gef\u00e4hrdet erscheinen. Doch dem ist nicht so. Es liegt in der Natur der Sache, dass sich diese von Reisenden, Pilgern aber auch von siedelnden Bauern, J\u00e4gern und M\u00f6nchen hergestellten Felsbilder an prominenten Reise- und Handelswegen befinden. Doch diese schmalen, Jahrhunderte lang nur von Menschen und Tieren begangenen Pfade, sind heute Orte des Stra\u00dfenbaus, der auf solch &#8220;heidnisches Zeug&#8221; keine R\u00fccksicht nimmt. Viele der von Weihreter 1981 und 1982 dokumentierten Bildsteine sind heute bereits verschwunden oder stark besch\u00e4digt. Etwas anderes kommt hinzu: Der weltweite Klimawandel macht auch vor der trockenen Bergw\u00fcste Ladakhs nicht Halt. Regen, wo es fr\u00fcher keinen gab und Hochwasser des Indus in einem vordem nicht bekannten Ausma\u00df sind die Folgen. Tonnenschwere Bildsteine werden durch Hochwasser untersp\u00fclt und verschwinden f\u00fcr immer, w\u00e4hrend Regen und Frost daf\u00fcr sorgen, dass Jahrhunderte alte Felsbilder abplatzen. Es ist daher sehr zu begr\u00fc\u00dfen, dass Hans Weihreter die von ihm damals sorgf\u00e4ltig sowohl schwarz-wei\u00df wie auch farbig dokumentierten Petroglyphen nunmehr zusammen mit dem Versuch einer Interpretation erstmals vorstellt. Zwar haben der Herrnhuther Missionar Francke ebenso wie der Tibetologe Snellgrove diese Felsbilder schon erw\u00e4hnt und zum Teil ver\u00f6ffentlicht; wissenschaftlich untersucht wurden sie indessen noch nie. Auch Weihreter ma\u00dft sich das nicht an, doch sind seine Ausf\u00fchrungen \u00fcber Alter, Bedeutung und stilistische Besonderheiten dieser Zeichnungen, \u00fcber ihre Urheber, deren Werkzeuge und Absichten voller Fragen, \u00dcberlegungen und spekulativer Antworten, wie sie stets am Anfang wissenschaftlicher Untersuchung stehen m\u00fcssen. Eine wesentliche Rolle bei der Frage nach dem Alter solcher Zeichnungen spielt dabei der so genannte &#8220;W\u00fcstenlack&#8221;, eine Eigenart von Stein und Fels in w\u00fcstenartigen Trockenregionen, hervorgerufen durch bestimmte chemische Substanzen, die durch Kapillarwirkung aus dem Inneren der Steine an deren Oberfl\u00e4che transportiert und dort einen dunklen, lackartigen oft metallisch gl\u00e4nzenden \u00dcberzug bilden. Der Vorgang dauert Jahrtausende und das Ergebnis verlockt, wie jedes mehrschichtige Material, zu bildnerischer Gestaltung. Wird die Schicht, etwa durch solche Zeichnungen linienf\u00f6rmig oder fl\u00e4chig verletzt, so geht der Prozess weiter und auch auf den freigelegten Fl\u00e4chen bildet sich neuer W\u00fcstenlack. Das Ma\u00df dieser &#8220;Repatinierung&#8221; kann f\u00fcr die Altersbestimmung genutzt werden, ist aber wohl streng wissenschaftlich bisher nicht bearbeitet. Die Thematik dieser Felsbilder reicht von Tieren und Jagdszenen, die wohl auf schamanistische, vorbuddhistische Vorstellungen und Rituale gr\u00fcnden bis zu religi\u00f6sen Darstellungen und Inschriften, hier vor allem Ch\u00f6rten in gro\u00dfer gestalterischer Vielfalt. Die Botschaften im Fels, m\u00f6gen sie von Reisenden in die Felsen geritzt worden sein, um g\u00f6ttlichen Schutz auf gef\u00e4hrlichen Reisen zu erlangen oder von J\u00e4gern, um guten Zauber f\u00fcr die erfolgreiche Jagd oder reiche Nachkommenschaft f\u00fcr die jagdbaren Wildtiere zu beschw\u00f6ren, besitzen historische Bedeutung und es w\u00e4re dringend zu w\u00fcnschen dass Weihreters sorgf\u00e4ltiger Dokumentation eine fundierte wissenschaftliche Bearbeitung nachfolgt. Nicht minder spannend sind die Tagebuchaufzeichnungen und Bilder, die Weihreter von drei Ereignissen mitgebracht hat, an denen er durch Zufall teilhaben konnte. Das war einmal das &#8220;Fest der Bogensch\u00fctzen&#8221; in der ladakhischen Hauptstadt Leh, das im Jahre 1982 nach langer Unterbrechung neu belebt wurde. Es ist ein Fest der &#8220;Argoli&#8221;, Nachfahren muslimischer Kaufleute aus Yarkand, die es in der ladakhischen Gesellschaft zu Ansehen und Wohlhabenheit gebracht haben, in dem sich Gebr\u00e4uche, Rituale und Musik aus ganz verschiedenen Regionen des Himalaya und Zentralasiens in sportlichem Wettkampf, unter dem Trommeln von Bettelmusikanten und gemeinsamen Konsum von Gerstenbier zu einem fr\u00f6hlichen Fest vereinen. Es war ferner das Erlebnis einer Seance bei der &#8220;Gottfrau von Sabo&#8221;, einer ber\u00fchmten, inkarnierten Lhamo, deren schamanistisches Ritual mit Weissagung und heilenden Handlungen den nicht f\u00fcr Exorzismus und Vorhersagen empf\u00e4nglichen Autor immerhin nachdenklich machte. Am sch\u00f6nsten zu lesen und schauen aber ist Weihreters Teilnahme an der Pilgerreise nach Urgyen Dzong, einem nur in einer dreist\u00fcndigen Bergtour zu erreichenden Hochtal, in dem ein verzweigtes H\u00f6hlenlabyrinth und einige Kultbauten ein Heiligtum bilden. Weihreter schlo\u00df sich einer Pilgergruppe an und w\u00e4hrend er beobachtete, wie sich jung und alt auf allen Vieren kriechend und auf schmalen Felsb\u00e4ndern in gro\u00dfer H\u00f6he balancierend von H\u00f6hle zu H\u00f6hle vorantasteten und dabei enorme Mengen religi\u00f6ser Verdienste erwarben, fotografierte er Frauen und Kinder in ihren urspr\u00fcnglichen, farbenfrohen Trachten. Besonders eindrucksvoll sind hier die unvergleichlich sch\u00f6nen und pr\u00e4chtigen perags, der mit sch\u00f6nen T\u00fcrkisen, Korallen und Amuletten verzierte, reiche Kopfschmuck der Frauen von Ladakh. Danke, Hans Weihreter, dass Sie dieses historische Bildmaterial ver\u00f6ffentlicht haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><div style=\"clear:both;width:100%;\"><\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":[],"translation":{"provider":"WPGlobus","version":"2.10.4","language":"ru","enabled_languages":["de","en","fr","ru"],"languages":{"de":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"en":{"title":false,"content":false,"excerpt":false},"fr":{"title":false,"content":false,"excerpt":false},"ru":{"title":false,"content":false,"excerpt":false}}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.ecco-arte.at\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2259"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.ecco-arte.at\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.ecco-arte.at\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ecco-arte.at\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ecco-arte.at\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2259"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.ecco-arte.at\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2259\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2260,"href":"https:\/\/www.ecco-arte.at\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2259\/revisions\/2260"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.ecco-arte.at\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2259"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}