{"id":2257,"date":"2017-03-15T11:52:02","date_gmt":"2017-03-15T10:52:02","guid":{"rendered":"http:\/\/ecco-arte.at\/rework-0217\/?page_id=2257"},"modified":"2017-03-15T11:52:02","modified_gmt":"2017-03-15T10:52:02","slug":"rezension-ladakh-johannes-litzel","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.ecco-arte.at\/ru\/rezension-ladakh-johannes-litzel\/","title":{"rendered":"Rezension: Ladakh &#8211; Johannes Litzel"},"content":{"rendered":"<div class=\"ctsc-focus ctsc-focus-normal \" style=\" background:#f3f1ea;\r\n\t\t\t\tbackground:-moz-linear-gradient(top, #f3f1ea 0%, #ffffff 100%);\r\n\t\t\t\tbackground:-webkit-linear-gradient(top, #f3f1ea 0%, #ffffff 100%); \r\n\t\t\t\tbackground:linear-gradient(to bottom, #f3f1ea 0%, #ffffff 100%);\r\n\t\t\t\tfilter:progid:DXImageTransform.Microsoft.gradient(startColorstr='#f3f1ea', endColorstr='#ffffff',GradientType=0);\">\n<p><em>Weihreter, Hans: Ladakh \u2013 Vergessene Feste \u2013 Botschaften im Fels.<\/em><br \/>\n<em> 192 S., 80 schw.-w. u. 152 farb. Abb. &#8211; 23,0 x 23,0 cm<\/em><br \/>\n<em> Akademische Druck- und Verlagsanstalt<\/em><br \/>\n<em> Graz 2010<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach vielen Publikationen \u00fcber Schmuck und Amulette in Indien und dem Himalaya legt Hans Weihreter nun ein Werk \u00fcber Ladakh vor. Es ist eine regionale und teils thematische Fortsetzung seiner Publikation \u201eWesthimalaya \u2013 Am Rande der bewohnbaren Welt\u201c (Graz 2001) mit besonderem Augenmerk auf die Felsbilder und Feste in dieser Hochgebirgsregion.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der indische Norden ist heute l\u00e4ngst nicht mehr die Terra incognita der 80iger Jahre des 20. Jh. als H. Weihreter zun\u00e4chst seine Reisen unternahm. Touristen haben jetzt das Terrain erobert; eine &#8211; f\u00fcr dortige Verh\u00e4ltnisse \u2013 moderne Infrastruktur war sowohl Voraussetzung als auch Folge dieser Entwicklung der letzten 30 Jahre. Und wie immer profitiert eine Region \u2013 noch in bescheidenem Ma\u00dfe &#8211; wirtschaftlich von dieser neuen Einnahmequelle, und verliert andererseits an den kulturellen und dinglichen Hinterlassenschaften ihrer reichen, alten Kultur. Den schon deutlich zu sehenden Verlust an Informationen und dem kulturellen Erbe in der Region durch Vandalismus, religi\u00f6se Intoleranz oder menschliche Dummheit gei\u00dfelt Weihreter vehement. Die Dokumentation dieser Relikte lag und liegt dem Autor daher besonders am Herzen und f\u00fchrte zu dieser neuen Publikation.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach einer Einf\u00fchrung in die Regionalgeschichte \u2013 f\u00fcr den Kundigen ausreichend, f\u00fcr den Novizen sehr knapp \u2013 aber reich und gut bebildert, widmet sich der Autor zun\u00e4chst den Felsbildern. Aus seinem reichen Fundus w\u00e4hlt er eindrucksvolle Beispiele (eine komplette Auflistung w\u00fcrde den Rahmen eines Druckwerkes wohl sprengen); sortiert nach sinnvoll gew\u00e4hlten und detailliert erkl\u00e4rten, eigenen Kriterien stilistischer und inhaltlicher Natur. Die verschiedenen Datierungsans\u00e4tze sind sehr interessant; so den Baustil der zuweilen dargestellten Ch\u00f6rten relativchronologisch zu verwenden hat sicher grunds\u00e4tzlich sehr viel Sinn. Eine Diskussion \u00fcber m\u00f6gliche Ausnahmen (z.B. der K\u00fcnstler stellt etwas dar, was er nur auf anderen Bildern gesehen hat und nicht seiner Lebenswirklichkeit entnommen ist, im Sinne eines stilistischen R\u00fcckgriffs) wird aber noch gef\u00fchrt werden m\u00fcssen. Fachtermini werden eingef\u00fchrt \u2013 z.B. W\u00fcstenlack \u2013 und erkl\u00e4rt, mit den reichen Bildern illustriert. Regionale Bildprogramme werden detailreich besprochen; weitr\u00e4umige, kulturelle Bez\u00fcge aufgezeigt und diskutiert. Komparatives Material h\u00e4tte zus\u00e4tzlich als Abbildung beigef\u00fcgt dem in diesem Spezialbereich nicht so bildfesten Leser geholfen; aber die entsprechenden Bildrechte h\u00e4tten den kalkulatorischen Rahmen sicher \u00fcberfrachtet. Einschl\u00e4gige und zitierte Literatur ist daf\u00fcr im Apparat aufgelistet; die Liste ist ganz sicher nicht vollst\u00e4ndig und muss bei Bedarf erg\u00e4nzt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Frage nach den Herstellern geht der Autor in einem eigenen Kapitel nach; die handwerkliche Entstehung der Petroglyphen kommt aber ein wenig zu kurz; m\u00f6gliche Klopf- und Ritzwerkzeuge oder Stein- bzw. regional verwendete Metallmei\u00dfel fehlen in der Bildauswahl. Damit steht aber Weihreter in guter Tradition; bei den meisten Arbeiten \u00fcber Felsbilder weltweit haben die Bearbeiter auf die ausreichende Darstellung der Werkzeuge leider verzichtet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Schwierigkeiten der fotographischen Erfassung von Felsbildkunst \u2013 unterschiedliche Lichteinf\u00e4lle, Gr\u00f6\u00dfe der Bildergalerien, Farb- und Schwarzwei\u00dfaufnahmen u.a.m. \u2013 werden iert beschrieben; weitere technische Details wie Kameras, verwendete Filme, Objektive und Brennweiten werden wohl nur von Spezialisten vermisst. Die zeichnerische Dokumentation als manchmal einzige L\u00f6sung f\u00fcr das Problem der versagenden Fototechnik wird mit vielen Beispielen aufgezeigt. Die leidvollen Erfahrungen eines Felsbildforschers erl\u00e4utern auch dem Neuling oder dem Unge\u00fcbten die manchmal schwierigen Wege und Umwege der Forschung. Das Einf\u00fcgen von sehr pers\u00f6nlichen Tagebucheintr\u00e4gen macht das Werk lebendig und lesenswert; es unterscheidet sich darin wohltuend von manch dr\u00f6gem Fachbuch, das dem Leser mehr Leidensf\u00e4higkeit bei der Lekt\u00fcre abverlangt als sinnvoll und der Sache angemessen w\u00e4re.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im zweiten Teil des Buches widmet sich Weihreter verschieden Festen (sehr interessant das \u201eFest der Bogensch\u00fctzen\u201c), Wallfahrten aber auch religi\u00f6sen Objekten und der regionalen Form des Schamanismus. Diese Themen werden aber auch wieder z.T. mit Darstellungen auf Petrographien in Zusammenhang gebracht und dienen der wechselseitigen Interpretation der Ph\u00e4nomene. Auch hier dienen Tagebucheintragungen der atmosph\u00e4rischen Illumination der Szenerie und bringen den Leser wieder mitten ins Geschehen. Dichte Beschreibungen wechseln auch schon mal mit pers\u00f6nlichen Ansichten Weihreters; vollkommen zul\u00e4ssig, wenn auch die Sicht des Autors nicht immer nachvollziehbar sein mag oder muss, ist diese Methode vollkommen legitim. Der Forscher ist auch als Mensch beteiligt; in diesem Buche wird es deutlich aufgezeigt und unterscheidet sich somit wohltuend von vergleichbaren Werken, in denen dieser Aspekt der teilnehmenden Beobachtung eher vernachl\u00e4ssigt wird und quasi nur durch die Hintert\u00fcr in die Publikation eintritt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Abbildungsverweise am Seitenrand machen das Auffinden der zugeh\u00f6rigen Bilder einfach; das h\u00e4ufige Vor- und Zur\u00fcckbl\u00e4ttern ist nur ein Sch\u00f6nheitsfehler des Mediums \u201egedrucktes Buch\u201c. In digitalen Publikationen ist das Sprungmarkenverfahren sicher komfortabler f\u00fcr den Leser. Die Bilder sind bestens gew\u00e4hlt, von ansprechender Qualit\u00e4t, sowohl in Schwarzwei\u00df als auch in Farbe. Der Scanvorgang des, man wird wohl sagen d\u00fcrfen mittlerweile historischen Ausgangsmaterials (Dias und SW-Positive) ist gut gelungen. Die Seitenkomposition ist sehr gelungen, Text und Abbildung erg\u00e4nzen sich; das Auge des Lesers wird gef\u00fchrt und nicht geschunden. Das Format ist handfreundlich. Ein kleines \u00c4rgernis ist das Lektorat &#8211; oder besser sein sporadisches Fehlen. L\u00e4ssliche Fehler wurden nicht beseitigt; ein heute oft zu beklagendes Manko der Verlage hat nun auch die ADEVA erreicht. Kostenreduzierung ist nicht alles. Dies ist aber dem Verfasser nicht zuzurechnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was fehlt dem Werke noch? Ein Glossar w\u00e4re eine gute Idee gewesen; hilfreich f\u00fcr den Neuling auf dem Gebiete der Felsbildforschung und mit wenig Kenntnissen \u00fcber die Region und die lokalen Sprachen. Die einschl\u00e4gigen Erkl\u00e4rungen sind zwar im Text vorhanden; eine Wortliste im Anhang w\u00e4re einfacher zu verwenden. Die Landkarte k\u00f6nnte detailreicher sein. Alles kleine S\u00fcnden, nichts Weltbewegendes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein nur streng wissenschaftliches Werk? Im besten Sinne nein, zum Gl\u00fcck f\u00fcr den Leser. Auch kein Reisef\u00fchrer \u00fcber Ladakh, nichts f\u00fcr den einfachen Touristen. Beste Petroglyphendokumentation, wissenschaftliche Betrachtungen und Tagebuchnotizen teilnehmender Beobachtungen: ein Einblick in einige Facetten des bewegten, prallen Lebens des Verfassers. Spannend und informativ!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Alles in allem ein sehr erfreuliches Buch; es h\u00e4tte schon vor Jahren erscheinen m\u00fcssen. Auf Fortsetzung wird dringend gewartet.<\/p>\n<p>Johannes Litzel M.A.<br \/>\nMartin-Luther-Universit\u00e4t Halle-Wittenberg<br \/>\nInstitut f\u00fcr Kunsgeschichte und Arch\u00e4ologien Europas<br \/>\nArch\u00e4ologie des Mittelalters und der Neuzeit<br \/>\nHalle\/ Saale<\/p>\n<div style=\"clear:both;width:100%;\"><\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":[],"translation":{"provider":"WPGlobus","version":"2.10.4","language":"ru","enabled_languages":["de","en","fr","ru"],"languages":{"de":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"en":{"title":false,"content":false,"excerpt":false},"fr":{"title":false,"content":false,"excerpt":false},"ru":{"title":false,"content":false,"excerpt":false}}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.ecco-arte.at\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2257"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.ecco-arte.at\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.ecco-arte.at\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ecco-arte.at\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ecco-arte.at\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2257"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.ecco-arte.at\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2257\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2258,"href":"https:\/\/www.ecco-arte.at\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2257\/revisions\/2258"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.ecco-arte.at\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2257"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}