{"id":2253,"date":"2017-03-15T11:49:25","date_gmt":"2017-03-15T10:49:25","guid":{"rendered":"http:\/\/ecco-arte.at\/rework-0217\/?page_id=2253"},"modified":"2017-03-15T11:49:25","modified_gmt":"2017-03-15T10:49:25","slug":"rezension-kavachha-johannes-litzel","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.ecco-arte.at\/ru\/rezension-kavachha-johannes-litzel\/","title":{"rendered":"Rezension: Kavachha &#8211; Johannes Litzel"},"content":{"rendered":"<div class=\"ctsc-focus ctsc-focus-normal \" style=\" background:#f3f1ea;\r\n\t\t\t\tbackground:-moz-linear-gradient(top, #f3f1ea 0%, #ffffff 100%);\r\n\t\t\t\tbackground:-webkit-linear-gradient(top, #f3f1ea 0%, #ffffff 100%); \r\n\t\t\t\tbackground:linear-gradient(to bottom, #f3f1ea 0%, #ffffff 100%);\r\n\t\t\t\tfilter:progid:DXImageTransform.Microsoft.gradient(startColorstr='#f3f1ea', endColorstr='#ffffff',GradientType=0);\">\n<p><em>Rezensiert f\u00fcr H-Museum von Johannes Litzel, M.A. E-Mail: Agentur_Litzel@t-online.de<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit sich der Mensch seiner selbst bewusst ist, begleitet ihn die Furcht vor dem B\u00f6sen, dem \u00dcblen, dem verderblichen Schicksal. Manches davon mag irdischer Natur sein, erkl\u00e4rbar, nachvollziehbar, mit menschlichen Kr\u00e4ften begreif- und auch vermeidbar. Vieles scheint aber dem Wirken numinoser M\u00e4chte zu entstammen und damit den schwachen Kr\u00e4ften des Einzelnen entzogen. Sich dagegen zu sch\u00fctzen ist seit jeher Bestreben des homo sapiens. Hans Weihreter l\u00e4sst das Thema Abwehrzauber &#8211; gl\u00fccklicher Weise &#8211; nicht los; nach den Thogs-lcags Tibets [1] hat er sich nun den Amuletten der Hindus zugewendet. Das Tragen von Amuletten, wirkungsm\u00e4chtigen Gegenst\u00e4nden, am K\u00f6rper des Bedrohten ist eine in Indien weit verbreitete Handlung. Der Gegenstand wird durch einen Weihevorgang, ausgef\u00fchrt durch einen religi\u00f6sen Spezialisten, in Funktion gesetzt, quasi aufgeladen. Darstellung auf dem Amulett und Material (Silber, Gold, Weihesubstanzen) bilden die wirksame Verbindung; die dargestellte Gottheit wohnt nun &#8211; auch &#8211; in diesem Gegenstande und kann ihre segensreiche Hilfe und ihren Schutz dem Tr\u00e4ger angedeihen lassen. Zuweilen wird dem Kavachha auch ein Zusatznutzen zugewiesen, der in Richtung Talisman (Gl\u00fccksbringer) oder Schadenszauber gegen Feinde geht. In manchen Gebieten werden auch Darstellungen von Tieren und Pflanzen, bzw. Reiterkriegern, verg\u00f6ttlichte oder mythische Vorfahren, verwendet. Eine Sonderform ist der Amulettbeh\u00e4lter als Aufbewahrungsort des wirkungsm\u00e4chtigen Gegenstandes. Dass auch durchaus profane ,M\u00e4chte&#8221; im Spiel sind, zeigt die Anbringung von Silberbatzen oder -m\u00fcnzen auf der R\u00fcckseite von Frauenamuletten in Rajasthan, die nach der Geburt eines Sohnes angebracht werden. Diese vermehren das Verm\u00f6gen der Ehefrau und zeigen den Status als Mutter eines oder mehrerer m\u00e4nnlicher Nachkommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einen besonderen Leckerbissen stellen die antiken Stierkopfanh\u00e4nger nandipada-thali dar; ein h\u00f6chst erfreulicher Exkurs nach S\u00fcdindien. Die Ikonographie bildet den Hauptansatzpunkt der Identifikation der im Amulett gebundenen, numinosen Schutzmacht, die Interpretation bedient sich der religi\u00f6sen und kulturellen Tradition des einzelnen Tr\u00e4gers oder der Ethnie, der er angeh\u00f6rt. Zahlreich und detailliert sind die Einzelmotive bearbeitet, auch mit Literaturhinweisen versehen und in einen gr\u00f6\u00dferen Zusammenhang gestellt. Komparative Ans\u00e4tze \u00fcber die Grenzen des Subkontinentes hinaus geben dem Leser weiteres Material an die Hand f\u00fcr eigene Arbeit. Manche Interpretation ist allerdings zu knapp formuliert; da h\u00e4tte mehr F\u00fclle nicht geschadet. Wichtig ist die Darstellung der Handwerkstechnik, die Materialverwendung und dass Anfertiger des Amuletts und Verwender durchaus verschiedenen Gruppierungen angeh\u00f6ren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Datierungen sind &#8211; der Verfasser zeigt dies in ganzer Problematik &#8211; mit Vorsicht zu betrachten: F\u00e4lschungen, Neusch\u00f6pfungen und verlorene Zuweisungen sind keine Seltenheit. Die Befragung der Amuletttr\u00e4ger sind nicht immer erfolgreich; jeder Feldforscher kann \u00fcber die Qualit\u00e4t von Informantenaussagen ein mehrstrophiges, teils trauriges Lied singen. Auch in Indien ist der \u00dcbergang vom lebendigen Kultwesen zum Brauchtum und &#8211; letztendlich &#8211; profanen Trachtenverein flie\u00dfend im vollen Gange und damit das Vergessen, das Zerfliesen von Wissen in der Zeit. Weihreter geh\u00f6rt zu denen, die versuchen zu retten, zu bewahren, was noch zu retten und bewahren ist. Rajasthan, Gujerat und der Westhimalaya waren diesmal der Schwerpunkt der vorliegenden Arbeit; in seinem Vorwort k\u00fcndigt der Verfasser weitere Werke an. Eine erfreuliche Drohung!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein post scriptum: das Arbeiten mit der CD ist durchaus erfreulich, narrensicher einfach und effizient; die Abbildungen sind hoch aufl\u00f6send und brilliant. Eine Freude f\u00fcr Augenmenschen. Dem Rezensenten lag auch ein ausgedrucktes Exemplar vor; es war ohne jeden Tadel.<\/p>\n<p>Anmerkung:<\/p>\n[1] Hans Weihreter: thog-lcags &#8211; Geheimnisvolle Amulette Tibets, Augsburg 2002. 1 CD-ROM. Rezensiert von Johannes Litzel f\u00fcr die Virtual Library Museen im November 2002: Link<\/p>\n<p><em>Copyright (c) 2005 by H-MUSEUM (H-Net), all rights reserved. This work may be copied and redistributed if permission is granted by the author and H-Museum. Please contact: editor@museumslist.net<\/em><\/p>\n<div style=\"clear:both;width:100%;\"><\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":[],"translation":{"provider":"WPGlobus","version":"2.10.4","language":"ru","enabled_languages":["de","en","fr","ru"],"languages":{"de":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"en":{"title":false,"content":false,"excerpt":false},"fr":{"title":false,"content":false,"excerpt":false},"ru":{"title":false,"content":false,"excerpt":false}}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.ecco-arte.at\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2253"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.ecco-arte.at\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.ecco-arte.at\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ecco-arte.at\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ecco-arte.at\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2253"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.ecco-arte.at\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2253\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2254,"href":"https:\/\/www.ecco-arte.at\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2253\/revisions\/2254"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.ecco-arte.at\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2253"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}