{"id":2240,"date":"2017-03-15T11:39:19","date_gmt":"2017-03-15T10:39:19","guid":{"rendered":"http:\/\/ecco-arte.at\/rework-0217\/?page_id=2240"},"modified":"2017-03-15T11:42:23","modified_gmt":"2017-03-15T10:42:23","slug":"mythos-gold-schuetzende-pracht","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.ecco-arte.at\/ru\/mythos-gold-schuetzende-pracht\/","title":{"rendered":"Rezension: Mythos Gold &#8211; Sch\u00fctzende Pracht"},"content":{"rendered":"<div class=\"ctsc-focus ctsc-focus-normal \" style=\" background:#f3f1ea;\r\n\t\t\t\tbackground:-moz-linear-gradient(top, #f3f1ea 0%, #ffffff 100%);\r\n\t\t\t\tbackground:-webkit-linear-gradient(top, #f3f1ea 0%, #ffffff 100%); \r\n\t\t\t\tbackground:linear-gradient(to bottom, #f3f1ea 0%, #ffffff 100%);\r\n\t\t\t\tfilter:progid:DXImageTransform.Microsoft.gradient(startColorstr='#f3f1ea', endColorstr='#ffffff',GradientType=0);\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Da Charles Darwins sehr vorsichtige Formulierung, dass auf die Abstammungsverh\u00e4ltnise von Mensch und Affe sp\u00e4ter noch manches Licht fallen werde, wohl meist eher b\u00f6swillig missverstanden wurde, suchten Anthropologen, Ethnologen, Verhaltensforscher und religi\u00f6se Fundamentalisten gleich welcher Couleur nach Argumenten f\u00fcr bzw. wider der Affendeszendenz. Viele liebe, als nur -menschlich-einzigartig gedachte F\u00e4higkeiten blieben dabei auf der Strecke und erwiesen sich als verbindende und nicht als trennende Merkmale. Das Bed\u00fcrfnis sich zu schm\u00fccken bleibt -bislang wenigstens -aber dem Homo sapiens vorbehalten. Schmuck ist ein Ph\u00e4nomen aller Zeiten und Kulturen; nicht nur manche Hausschatulle, auch Museen und Sammlungen sind voll von Exponaten aus allen Kontinenten, wenn auch mit unterschiedlicher Gewichtung. Nicht alle Kulturen und Regionen sind dabei mit gro\u00dfen St\u00fcckzahlen vertreten; das Fehlen alten indischen Schmucks f\u00e4llt besonders schmerzlich auf und macht damit die regionale kulturhistorische Forschung eher schwierig. Hans Weihreter st\u00f6\u00dft mit seiner neuesten Publikation wieder in diese L\u00fccke und setzt Untersuchungen \u00fcber die indische Schmucktradition weiter fort. Die Funktionen des Schmucks sind gar vielf\u00e4ltig: von der Kapitalanlage \u00fcber Standessymbol, Reichtum, Hinweis auf Zugeh\u00f6rigkeit zu einer sozialen Gruppe, politischen Einheit, Verdienste, Familienstand, Alterskohorte oder einer Glaubensrichtung spannt sich der Bogen. Aber der Aspekt der Sch\u00f6nheit darf auf keinen Fall unterschlagen werden ebenso wie die Funktion des Schutzes. Besonders dem letzten Aspekt ist die vorgelegte Publikation gewidmet und anhand vieler Beispiele ausgef\u00fchrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Autor geht dabei nach einer alten Hindu-Tradition vor: nach SHIK-NAK \u201evom Scheitel bis zu den Zehenn\u00e4geln\u201c bei sterblichen Menschen, bei G\u00f6ttern in der umgekehrten Reihenfolge NAK-SHIK beschreibt er Formen und Funktionen von Geschmeide unterschiedlicher Materialien bei einigen Ethnien, religi\u00f6sen Gruppen, Kasten und der Nobilit\u00e4ten einiger Stammeskulturen des indischen Subkontinents und referenziert immer wieder auf Tempelskulpturen und orale bzw. schriftliche \u00dcberlieferung, auch \u00fcber das unmittelbare Untersuchungsgebiet hinaus. Kenntnis-und detailreich wird der Leser in die hinduistische Vorstellungswelt, in einen Kosmos von Bedrohung und Schutzbed\u00fcrfnis gef\u00fchrt. Jede K\u00f6rper\u00f6ffnung muss vor b\u00f6sen M\u00e4chten verschlossen werden, jeder K\u00f6rperteil bedarf seiner Bewahrung vor Unheil. Nicht einmal die G\u00f6tter sind vor Unheil sicher. Gold und Silber, edle Steine, Reifen, Ohrpfl\u00f6cke, Nasenringe, Tikas, Fu\u00dfringe und Ketten sichern den Tr\u00e4ger, die Tr\u00e4gerin der Schutzst\u00fccke und geben ihm und ihr auch noch das gute Gef\u00fchl der Sch\u00f6nheit. Weihreter verschweigt aber auch nicht den Wandel im heutigen Indien, einer aufstrebenden Wirtschafts-Weltmacht, hin zu einer Verflachung bis zum Verlust der Schmucktraditionen. Das Verschwinden der Kenntnistr\u00e4ger wiegt dabei genauso schwer wie die Anpassung an die Neue Zeit, Aufkommen einer neuen b\u00fcrgerlichen Mittelschicht und ihre Vorstellung von zum Accessoire gewandelten Schmucks. Auch in dieser neuen Publikation kommt die bew\u00e4hrte Technik der CD wieder zum Einsatz; mit Hilfe eines geeigneten Readers (eine g\u00e4ngige Version ist zur Installation beigef\u00fcgt) l\u00e4sst sich der Text gut erschlie\u00dfen. Die Bilder sind teils im Studio mit bester Ausleuchtung, teils auf ausgedehnten Reisen entstanden. Die Lupenfunktion l\u00e4\u00dft erhebliche Vergr\u00f6\u00dferungen zur Betrachtung von Details zu. Und die sind reichlich vorhanden: feinste Goldkegel-Dekorationen, Granulationen und Ziselierungen werden sichtbar, Emaildekor leuchtet und textile Bestandteile zeigen Struktur. Der wissenschaftliche Apparat ist ausreichend aber kurz gehalten, ebenso die Einf\u00fchrungen und die Ausf\u00fchrungen zur Schreibweise. Ohne Kenntnis der vorausgegangenen Publikationen von H. Weihreter (z.B. JADE, 2003; KAVACCHA-Amulette der Hindus Indiens, 3. Aufl. 2006) oder anderer einf\u00fchrender Literatur wird es f\u00fcr den Novizen im Bereich Schmuck eher schwierig alle Aspekte des Themas zu erfassen. Jedoch f\u00fcr den komparativ arbeitenden Ethnologen, den Arch\u00e4ologen, den Kunsthistoriker oder den interessierten Sammler ergeben sich neue und spannende Aspekte der Interpretation von Exponaten, Funden und Befunden unter dem Aspekt des schm\u00fcckenden Schutzes oder der sch\u00fctzenden Pracht.<\/p>\n<div style=\"clear:both;width:100%;\"><\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":[],"translation":{"provider":"WPGlobus","version":"2.10.4","language":"ru","enabled_languages":["de","en","fr","ru"],"languages":{"de":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"en":{"title":false,"content":false,"excerpt":false},"fr":{"title":false,"content":false,"excerpt":false},"ru":{"title":false,"content":false,"excerpt":false}}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.ecco-arte.at\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2240"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.ecco-arte.at\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.ecco-arte.at\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ecco-arte.at\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ecco-arte.at\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2240"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.ecco-arte.at\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2240\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2245,"href":"https:\/\/www.ecco-arte.at\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2240\/revisions\/2245"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.ecco-arte.at\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2240"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}