{"id":2328,"date":"2017-03-23T16:30:23","date_gmt":"2017-03-23T15:30:23","guid":{"rendered":"http:\/\/ecco-arte.at\/rework-0217\/?page_id=2328"},"modified":"2017-03-23T16:40:16","modified_gmt":"2017-03-23T15:40:16","slug":"der-edelsteinschliff-in-indien","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.ecco-arte.at\/en\/der-edelsteinschliff-in-indien\/","title":{"rendered":"Der Edelsteinschliff in Indien"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Die aus technischen und naturwissenschaftlichen Gedanken geborene Idee, Edelsteine gem\u00e4\u00df ihrer kristallinen Struktur in Facetten zu schleifen, etwa wie beim Brillantschliff, der dem Diamanten seine h\u00f6chste Strahlkraft verleiht, war den Indern fr\u00fcher fremd. In Europa begann die Suche nach geeigneten Schlifformen schon fr\u00fch. Selbst h\u00e4rteste Steine wurden &#8221;gef\u00fcgig&#8221; gemacht. Um das Jahr 1475 erkannte Ludwig von Berquem die anisotropen Eigenschaft des Diamanten. Die Erkenntnis, da\u00df dieses h\u00e4rteste Material auf Erden in verschiedenen Schleifrichtungen geringf\u00fcgige Unterschiede in der H\u00e4rte aufweist, war ausschlaggebend f\u00fcr die Entwicklung der Diamantschleiftechnik. Zuvor konnte man den Stein nur spalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Gegensatz dazu bevorzugten die Inder, die nat\u00fcrliche Form des Steines im wesentlichen bestehen zu lassen. Ein nat\u00fcrlicher, perfekt geformter Diamantoktaeder durfte gar nicht geschliffen werden. Er galt als heilig. Andere Juwelen schliff man nur, soweit n\u00f6tig, zu unregelm\u00e4\u00dfigen Formen. Die Gestaltung des Schmucks hatte sich der Steinform anzupassen. Man wollte m\u00f6glichst wenig von der geheiligten Materie der Edelsteine entfernen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Ehrfurcht der Inder vor Edelsteinen ist im Glauben an die Magie der Steine und der Himmelsk\u00f6rper verwurzelt. Man verabreicht Edelsteinpulver sogar Kranken als Medizin. War eine Unreinheit in bestimmten Steinen, musste sie nach Ansicht der Hindus entfernt werden. Die Mohammedaner waren diesbez\u00fcglich nicht so streng in ihren Auffassungen. Sie liebten geschnittene, reich verzierte Edelsteine. In Achate und in Jade schnitt man heilige Suren aus dem Koran und florale Dekorationen. Man formte Smaragde, Jade, Rubine und T\u00fcrkise zu \u00fcppigen Blumen. Zwar findet man so geschliffene Steine sp\u00e4testens ab dem 18. Jahrhundert auch auf dem Schmuck reicher Hindus, aber der stilistische Ansto\u00df f\u00fcr diese Werke kam aus der islamischen Welt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sehr beliebt war der Cabochonschliff. Selbst Rubine schliff man bevorzugt in mugeliger Form. Europ\u00e4ische Schlifformen von Edelsteinen waren schon im 17. Jahrhundert in Indien bekannt. Einerseits importierte man geschliffene Edelsteine aus Europa, andererseits arbeiteten europ\u00e4ische Edelsteinschleifer an den H\u00f6fen Indiens. Indische Handwerker setzten sich ebenfalls mit den europ\u00e4ischen Schleiftechniken auseinander.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ber\u00fchmt wurden die verschiedenen Versionen des rose cut (hindi: polki) f\u00fcr Diamanten, die eventuell sogar eine indische Weiterentwicklung fr\u00fcher europ\u00e4ischer Schleiftechnik darstellen. Gro\u00dfe F\u00f6rderer dieser Kunst waren die Kaiser Dschahangir und Schah Dschahan. Der \u201etechnisch perfekt\u201c geformte Stein, wie etwa der Brillant, wurde erst mit dem ausgehenden 19. Jahrhundert mehr und mehr Mode. Eine barbarische Gro\u00dftat, die von der Abwesentheit jeglichen Gef\u00fchls f\u00fcr die Sch\u00e4tze der Natur zeugt, ver\u00fcbten Europ\u00e4er an dem kostbaren Diamanten koh-i-nur \u201eBerg des Lichts\u201c: Damit er besser zur britischen Krone pa\u00dfte, schliff man 1\/3 seiner Substanz weg! Das w\u00e4re im alten Indien niemals geschehen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heute ist das anders. Zeugnis daf\u00fcr ist die gro\u00dfe Menge von Edelsteinen, die in jeder beliebigen Form mit Laserstrahlen geschnitten werden. Wie weit man sich doch auch in Indien von einst Geheiligtem entfernt hat.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Auszug aus dem Buch: \u201eBLUMEN DES PARADIESES\u201c<br \/>\nDer F\u00fcrstenschmuck Nordindiens v. Hans Weihreter<br \/>\nAkademische Druck- u. Verlagsanstalt Graz, 1997<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die aus technischen und naturwissenschaftlichen Gedanken geborene Idee, Edelsteine gem\u00e4\u00df ihrer kristallinen Struktur in Facetten zu schleifen, etwa wie beim Brillantschliff, der dem Diamanten seine h\u00f6chste Strahlkraft verleiht, war den Indern fr\u00fcher fremd. In Europa begann die Suche nach geeigneten Schlifformen schon fr\u00fch. Selbst h\u00e4rteste Steine wurden &#8221;gef\u00fcgig&#8221; gemacht. Um das Jahr 1475 erkannte Ludwig von Berquem die anisotropen Eigenschaft des Diamanten. 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