{"id":2246,"date":"2017-03-15T11:43:44","date_gmt":"2017-03-15T10:43:44","guid":{"rendered":"http:\/\/ecco-arte.at\/rework-0217\/?page_id=2246"},"modified":"2017-03-15T11:43:44","modified_gmt":"2017-03-15T10:43:44","slug":"rezension-mythos-gold-michael-buddeberg","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.ecco-arte.at\/en\/rezension-mythos-gold-michael-buddeberg\/","title":{"rendered":"Rezension: Mythos Gold &#8211; Michael Buddeberg"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><div class=\"ctsc-focus ctsc-focus-normal \" style=\" background:#f3f1ea;\r\n\t\t\t\tbackground:-moz-linear-gradient(top, #f3f1ea 0%, #ffffff 100%);\r\n\t\t\t\tbackground:-webkit-linear-gradient(top, #f3f1ea 0%, #ffffff 100%); \r\n\t\t\t\tbackground:linear-gradient(to bottom, #f3f1ea 0%, #ffffff 100%);\r\n\t\t\t\tfilter:progid:DXImageTransform.Microsoft.gradient(startColorstr='#f3f1ea', endColorstr='#ffffff',GradientType=0);\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Schmuck ist in Indien immer multifunktionell: Ganz zuerst ist er Amulett, dann Kapitalanlage, schlie\u00dflich Rangabzeichen und dann muss er noch der Aufgabe gerecht werden, die Tr\u00e4gerin oder den Tr\u00e4ger zu schm\u00fccken, muss also sch\u00f6n sein. Das ist eine f\u00fcr den ganzen Subkontinent g\u00fcltige Rangfolge. Aber f\u00fcr den westlichen Sammler und Bewunderer indischen Schmucks steht seine Sch\u00f6nheit, steht die oft au\u00dferordentliche \u00e4sthetische Qualit\u00e4t im Vordergrund, von der schier un\u00fcbersehbaren formalen und handwerklichen Vielfalt ganz abgesehen. Doch erst der Kern indischer Schmucktradition, die Funktion des Schmucks als Schutz vor D\u00e4monen, vor sch\u00e4dlichen Einfl\u00fcssen, vor dem b\u00f6sen Blick, Krankheit, Tod und anderem Unbill \u00f6ffnet den Weg zum Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Vielfalt der Formen, f\u00fcr die Ikonographie und f\u00fcr die tiefere Bedeutung von diesem Schmuck. Aber die Studienobjekte sind rar. Die gleich nach der Funktion als Amulett folgende und vor allem f\u00fcr den Volksschmuck so wichtige Eigenschaft als Kapitalanlage hat eine fatale Konsequenz: Je nach den Wechself\u00e4llen des Lebens musste Schmuck immer wieder zu Geld gemacht werden, wurde zerst\u00f6rt, eingeschmolzen und im besten Falle umgearbeitet. Eine schlechte Ernte, eine Tierseuche oder \u00dcberschwemmung vernichtete nicht nur Korn, Vieh oder ganze D\u00f6rfer, sondern stets auch Schmuck. Obwohl Indien nach wie vor das Schmuckland par excellence ist, ist alter Schmuck daher selten und mit ihm auch der Formenreichtum des traditionellen Volksschmucks mehr und mehr verloren gegangen. Schlie\u00dflich f\u00fchrt auch der durch die Globalisierung der Kapitalm\u00e4rkte in Indien stark gestiegene Materialpreis f\u00fcr Edelmetalle und gute Steine dazu, dass t\u00e4glich antike, seltene und kostbare Schmuckexemplare eingeschmolzen und so f\u00fcr immer zerst\u00f6rt werden. Hans Weihreter, dem seit drei Jahrzehnten im Himalaya, in Indien und in den angrenzenden Regionen reisenden Feldforscher, H\u00e4ndler und Schmuckspezialisten, ist es zu danken, dass er in einer ganzen Reihe gedruckter und digitaler Publikationen die Vielfalt und Sch\u00f6nheit indischen Schmucks dokumentiert hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend in den vergangenen Jahren der Schwerpunkt von Weihreters Forschung, B\u00fcchern und CD-ROMs auf dem Gebiet der Juwelen indischer F\u00fcrsten und Maharadschas lag, ist die j\u00fcngste CD-ROM ganz dem inzwischen so rar gewordenen alten Volksschmuck gewidmet. \u201eSch\u00fctzende Pracht\u201c ist das Ergebnis einer Reihe von Reisen in entlegene Regionen Indiens, aber auch von wertvollen Kontakten und Beziehungen, die sich Weihreter in vielen Jahren aufgebaut hat. So sehen wir den reichen Schmuck der \u201eKumari\u201c aus Nepal, kleiner M\u00e4dchen, die bis zu ihrer Pubert\u00e4t von den Hindus als lebende G\u00f6ttinnen verehrt werden. Wir sehen den traditionellen Schmuck der St\u00e4mme der Maru Raika und der Gujer und den Schmuck der noch heute weite Wanderungen unternehmenden Nomaden aus dem Volk der Rabari in den Grenzgebieten von Gujerat. \u00dcppiger Schmuck geh\u00f6rt in diesen Gesellschaften noch immer zum t\u00e4glichen Leben und soll vor allem vor den ungez\u00e4hlten Gefahren sch\u00fctzen, die allenthalben lauern. Hervorzuheben ist, dass wir den Schmuck in Gebrauch sehen, so, wie er getragen wird, von alten Frauen, jungen M\u00e4dchen und von M\u00e4nnern und dass auf diese Weise auch ein Eindruck von der noch unverf\u00e4lschten Lebensweise und Urspr\u00fcnglichkeit dieser Menschen vermittelt wird. Es sind seltene und wichtige Bilddokumente, denn diese nomadische Lebensform ist im Indien von heute extrem gef\u00e4hrdet, letztlich wohl dem Untergang geweiht. Der H\u00f6hepunkt dieser Publikation ist aber zweifellos sehr alter, teilweise wohl aus dem 18. Jahrhundert stammender Festschmuck aus Gujerat. Es ist vorwiegend Brustschmuck, Ketten, mit vielf\u00e4ltig gestalteten Gliedern, \u00fcberreich, geschmackvoll und in perfekter Technik mit feinster Granulat- und Filigrantechnik verziert. Einen faszinierenden \u00e4sthetischen Kontrapunkt hierzu bilden schlichte, unverzierte, aber durch ihr Design und ihr kostbares Material monumental wirkende Armreifen, wohl \u00e4hnlichen Alters. Es ist ein Gl\u00fccksfall, dass sich solch au\u00dfergew\u00f6hnliche St\u00fccke von altem indischen Volksschmuck \u00fcber Generationen in f\u00fchrenden Familien erhalten haben. Eine schwere goldene Kette aus Mysore in der Provinz Karnataka, eine Girlande feinst ausgef\u00fchrter Sch\u00e4del, es sind die von einer G\u00f6ttin abgeschlagenen H\u00e4upter von D\u00e4monen, ein v\u00f6lkerkundlich, handwerklich, k\u00fcnstlerisch und ikonographisch hoch bedeutendes Exemplar s\u00fcdindischen Kultschmuckes beschlie\u00dft diesen faszinierenden Reigen seltener Kleinode. Es bleibt am Ende noch zu erw\u00e4hnen, dass der Autor in einem einleitenden Kapitel anhand fr\u00fcher indischer Tempelskulptur aus dem 7. bis zum 12. Jahrhundert Bedeutung und Vielfalt von Schmuck in Indiens ferner Vergangenheit aufzeigt und Parallelen zu dem im Buch gezeigten Volksschmuck zieht. Hans Weihreters neue CD-ROM ist ein wertvoller Beitrag zur unendlich reichen indischen Schmuckkultur.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">(Zu beziehen \u00fcber Edition Khyun, Schertlinstr. 11-1\/26, 86159 Augsburg oder hans_weihreter@nexgo.de)<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><div style=\"clear:both;width:100%;\"><\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":[],"translation":{"provider":"WPGlobus","version":"2.10.4","language":"en","enabled_languages":["de","en","fr","ru"],"languages":{"de":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"en":{"title":false,"content":false,"excerpt":false},"fr":{"title":false,"content":false,"excerpt":false},"ru":{"title":false,"content":false,"excerpt":false}}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.ecco-arte.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2246"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.ecco-arte.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.ecco-arte.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ecco-arte.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ecco-arte.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2246"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.ecco-arte.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2246\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2247,"href":"https:\/\/www.ecco-arte.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2246\/revisions\/2247"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.ecco-arte.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2246"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}